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Oster-Glocken

07. Apr 2020
Von: Andrea Beiner

Liebe Eppelsheimer,

Sie haben es mitbekommen, die christlichen Kirchen dürfen zwar nicht zu Gottesdiensten einladen, aber sie rufen jeden Tag zum Innehalten und zum Gebet auf. Um 11.00 Uhr sonntags und 19.30 Uhr alltags läutet für fünf Minuten die Vater-unser-Glocke, also die Glocke, die uns zum Innehalten und zum Gebet einlädt! Vielleicht denken wir an Menschen, die uns nahestehen, die wir aber nicht besuchen können, da sie zu der sogenannten Risikogruppe gehören, oder sie haben Angst, sich bei der Gruppe, die besonders schnell den Virus überträgt, anzustecken oder … Wir sind in die Karwoche gestartet und wider erwarten wird sie ruhig. Ich habe diese Woche immer sehr geschätzt und es bedauert, dass in diesem Jahr die Ferien erst am Donnerstag beginnen. Ich habe sonst diese Woche genutzt, um mich mit den letzten Stunden im Leben Jesu immer wieder zu beschäftigen und dann das Aufstehen ins Leben an Ostern in neue, hoffnungsvolle Bilder zu setzen und zu feiern. In diesem Jahr sollte das anders sein. Da die Ferien erst so spät beginnen sollten, gab es viele Termine, die mich abgehalten hätten, still zu halten und bei diesem Geschehen zu bleiben. Jetzt bin ich gezwungen, innezuhalten. Habe Zeit, die Leidensgeschichte Jesu und seine Auferstehung zu studieren, kann dies aber leider nicht in Gottesdiensten mit den Menschen teilen: dass Jesus, der Sohn Gottes, hingerichtet wurde und in so jungem Alter starb, ein Mensch, der so uneigennützig für andere eintrat und ihnen beistand, was den Etablierten nicht passte, der deshalb aus dem Weg geräumt wurde, und dessen Einsatz für seine Nächsten dann von Gott gewürdigt wurde, so dass es weiterging mit seinen Ideen und hoffnungsbringenden Taten. In diesen Wochen müssen viele Menschen in nur sehr kleinem Kreis Abschied nehmen von einem wichtigen Menschen und viele Menschen sind gezwungen, zu Hause zu bleiben und dürfen sich nicht verabschieden von einer langjährigen Freundin, einem Nachbarn oder einer Bekannten. Ich hoffe, Sie finden alle Wege, ihre Trauer zu teilen und auch die Hoffnung, es wieder gemeinsam ins Leben zu schaffen!  Oder wie es ein Lied aus neuerer Zeit singt: „Manches Holz ist schon vermodert, manches Holz ist frisch geschlagen. Bei dem Kreuz, mit Blick zum Himmel sammeln sich in diesen Tagen Splitter der Erinnerung, Trauer, die wir in uns tragen. (…)  Mancher Trost ist tief verborgen, mancher Trost will Hoffnung wagen, bei dem Kreuz, mit Blick zum Himmel leuchten auf in diesen Tagen Träume der Erinnerung. Gottes Worte, die uns tragen.“

Mehr als Läuten können und dürfen wir in diesen Tagen nicht. Wir sind zu Recht aufgefordert, zu Hause zu bleiben, wann immer es geht! Nur so können die Menschen, die für unsere Gesundheit einstehen, arbeiten. Und wir sind dankbar und sollten solidarisch sein!

Zu Ostern dürfen wir auch nur läuten, aber wir können im privaten den Sieg des Lebens über den Tod feiern!

Also trotzdem: Frohe Ostern!

Ihre Andrea Beiner, Pfarrerin